Komplett aktualisiert im Juni 2018
Vollgas Blind e.V.
 
Charly    
Jando

by Jandosport
Charly erzählt...
 
 

Mein 1. Rundstreckenrennen

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Hockenheim Nun war es soweit, ich kam endlich in meine persönliche „Königsdisziplin“ - Deutsche Rundstrecken Meisterschaft der Tourenwagen!

Zuvor brauchte ich aber irgendwo noch ein „Trainingsrennen“ wie mit meinem 1. Rennslalom ala Landshut :-). Wusste ja auch noch nicht wo’s da langging. „Wia glanga de hi … wie u. wo bremms i de aus, wenn i überhabt oan übahoin ko….Wos ham die für Tricks drauf ?“ u.s.w.

Mal wieder rein ins kalte Wasser – so hab ich bisher am besten gelernt!

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Hockenheim Super…da gabs 14 Tage vorher, auf dem Hockenheimring, auch ein Rennen! Owei, das ist ja gleich mal eine „brutale Nummer“… da geht es um einen Europäischen Wertungslauf im Rennpokal!!! „uff :-O! - Scheiß egal-do fa ma mit.“ (auch mit nur nationaler Lizenz-Startberechtigung)

Da war „ER“ der Hockenheimring – „DIE ARENA DER GEILHEIT“ > wie ICH ihn nach diesem Rennen nannte!!!!

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Ulm-Mengen Zum 1x vor so vielen Zuschauern …ca. 80.000 … viele Formel 2 Boliden und WIR MITTEN DRIN IM AUDI 50 ABT TUNING mit 1150 ccm! –

“Sensationell !!!“ dat da Michl aus den TEAM in Haar sogn ;-) I hob zu meinem Freind gsogt: „Harrer, hau mir eine rein, dass i wieda zum schnaufa ofang ….i glab i spinn jetzt…. glei dabei beim Jim Clark Gedächtnisrennen … des konn ja eus gonet sei!“ Aber es kam noch besser!!!!

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Zolder-Belgien Also, die „Bude“ war gerammelt voll. A Wahnsinn! I muas mit`n bei die 1300ccm starten, unter den schnellen Alfa Romeo, ois 1150ga, mi durchboxen. Denn bei diesem europäischen Lauf gab es nur die Klasse 1 bis 1300 ccm und weitere Klassen bis über 4000 ccm. Bei meiner DM Serie war die Klasse 1 bis 1150 ccm aufgeteilt = mehr Ausgeglichenheit durch die ähnliche Motorleistung = mehr Chancen aufs „Trepperl“ zu kommen! Da Walch Rudi hot ma gsogt: „Wennst voan mitfahn wuist, muast de Ostkuvh VOI FAHN.“ Nach der 3. Runde hab ich den „STEMPE DURCHDRUCKT“gelassen, aber die Zehenspitzen gingen trotz Vollgas immer leicht zurück. < Du kommst also im 4. Gang mit 185 km/h auf der langen Geraden an und bleibst einfach, ohne zu „lupfen“, d.h. ohne vom Gas zu gehen, drauf und biegst in die Kurve ein… > Hammergefühl! Den Kopf hast du dann während der ewig langen Rechtskurve… durch die dadurch auftretenden Fliehkräfte, nicht mehr von der linken Seitenscheibe weggebracht. In den folgenden Runden fiel mir jedes Mal auf, wenn ich die Ostkurve durchfuhr, dass nur bei mir die ganzen Zuschauer auf der Ost-Tribüne aufsprangen! Insider klärten mich nach dem Rennen auf, dass die Leute nur jubeln und aufspringen, wenn man im höchsten Gang auf Vollgas bleibt und damit zu den Mutigsten gehört. „Wau“ sagte ich, „…und warum machen das die Anderen um mich nicht? Dann wären sie ja auch schneller.“….grins, grins!

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Zolder-Belgien Das gleiche passierte mir auch dann, wenn ich Eingangs des Motodrom … mit Stoßstange an Stoßstange … aus dem Windschatten raus neben den Gegner setzte und so spät wie nur möglich an ihm vorbei „bremste“, also „VOLL IN DIE EISEN“ einlenkte – den Audi auf 2 RÄDERN um die Kurve > Richtug Sachskurve „schmiss“: Da war mir klar, warum die ganze Arena tobte und eine riesige „Welle“ durch die Arena zog. Ich hörte trotz des offenen und dadurch sehr lauten Auspuff (Flammrohr), der unter der Fahrertür ins Freie endete, den Jubel der Zuschauer … und das macht > MEGA.GEIL < ;-) Ich fuhr dadurch noch „ brutaler“ und das sah man natürlich in der Rundenzeit!!!! Ewig breites Grinsen ;-))

1978: Deutsche Rundstreckenmeisterschaft - Zolder-Belgien Dadurch fuhr mein kleinerer Motor aber hammer Rundenzeiten! Dann hielten meine Jungs eine simple Hacker Pschorr Braü Kreidetafel aus meinem Reiterstüberl mit einer „4“ raus … und ich fuhr meine letzte Runde mit einem breiten Grinsen auf Platz 4 ins Ziel!! Uff – war des a ewige wahnsinnige Gaudi!! A riesiger Jubel in mir und auf den Rängen. Irgendwann kam der ABT Johann auf mich zu und sagte: Kunden hätten ihn gefragt, ob ich einen 1300 Motor drinnen habe. Der Johann gratulierte mir und ich sagte: „Ja mei, wan so a 1300er da wesn wa, wa hoit ned schlecht gewesen. Da hätt i no einen „schwereren Pokal hoam drong miss`n"…grins. Und so verrückt ist es auch bei den folgenden Rennen weiter gegangen. Übrigens - a bissarl verrückt bin i heit no – und das ist auch gut so….Charly 8.2.2018

Anmerkung:
Meine genetische Augenerkrankung nennt sich Retinitis Picmentosa. Hierbei sterben die Sehzellen ringweise von außen nach innen zum zentralen Punkt in der Mitte des Auges ab. Ergo, wird das Gesichtsfeld immer kleiner und endet in der völligen Erblindung.

Aus Sicht laut Augenspezialist Prof. Zrenner, den ich 1989 kennenlernte, (also 10 Jahre nach meinem letzten Rennen!! – und 10 Jahre vor meinem Blindenstatus 1999!!), hatte ich während meiner aktiven Rennzeit vermutlich nur noch ca.30 Grad eines gesunden Auges mit 180 Grad Gesichtsfeld, zur Verfügung! Das ist heftig. Jetzt weiß ich auch, warum ich gerade am Anfang weit außen stehende Pylonen komplett, bis ich meine „Sehtechnik“ veränderte, übersah!
Ich „feilte“ im Laufe der Jahre nicht nur an meiner Fahrtechnik im Rennmodus, sondern auch, unterbewusst, an meiner schnelleren Sehtechnik.

Nun taucht sicher für den aufmerksamen Leser die Frage auf: Gibt es denn keine ärztliche Untersuchungen für diese Rennfahrer? – JA, die gibt es bei Antrag der Fahrerlizenz!
Ich weiß nicht wie es heute 2018 ist, aber in den 70ern genügte z.B. auch eine umfangreiche körperliche Untersuchung beim Hausarzt und Sehkraftnachweis (z.B. lesen von einer Tafel mit Buchstaben und Ziffern! Kein Gesichtsfeld….!) Und ALLES WAR GUT! >>> MIR UND AUCH KEINEM ARZT IST ES JEMALS AUFGEFALLEN – bis ich 10 Jahre! nach Beendigung meiner aktiven Rennzeit auf Prof. Zrenner traf!!!!

Ein weiteres Beispiel von 1978:
Bei einem Rundstreckenrennen. Als ich mich aus der 2. Startreihe mit einem super Start und heftigen „Türklinkenkontakt … peng, peng links - peng peng rechts u.s.w. durch die 1. Startreihe presste … dabei den Kopf hin - und herdrehend - um die Gegner zu fixieren … nach dem Rennen voller Adrenalin erzählend: „Des san vielleicht geile Schweine! Die schaugn ned amoi wenst ena in de Tür reifahrst…(sie haben es natürlich in dem Augenwinkel gesehen … also doch nicht sooo geil ;-)!!!)

AUS DIESEM ASPEKT HERAUS - HABEN DIESE ERFOLGE ALLER GEWONNENEN MEISTERSCHAFTEN UND RENNEN - FÜR MICH EINEN BESONDEREN UND NOCH HÖHEREN STELLENWERT –

UND DASS ICH NIEMALS, BEI EINEM RENNEN ODER IM STRAßENVERKEHR, KÖRPERLICHEN SCHADEN DURCH MEIN UNWISSENDES HANDICAP ZUGEFÜGT HABE, BIN ICH AUCH SEHR DANKBAR > DANKBARER ALS FÜR ALLE MEINE SIEGE!!!!!!!

NICHT VERGESSEN möchte ich all die Menschen, die ich namentlich nicht mehr erfassen kann, die aber auch in einer bestimmten Form mehr oder weniger mit dabei waren. Die alten „Kämpfer“ vom mitgegründeten MSCG in Garching bei München. Gute geile Leute – ob am Salzburgring oder Rennen und Deutsche Meisterschaftsfeier am Nürburgring - in Uschi Schmitz „PISTENKLAUSE“ bis morgens 8 Uhr… als die Uschi mich bat, auf der Wand der Champions mein Autogramm zu schreiben! Ich hätte wohl in meinem „Zustand“ nicht mehr geschrieben … aber da - war ich „hellwach“!....

Diese Ehre unter so vielen Formel 1 Stars und Legenden … nahm ich den Filzer und unterschrieb voller Demut ziemlich am Rand und alle Freunde jubelten.

Das mit den MSCGlern war in den 70er „a ewige Gaudi“ > was haben wir oft für nen Scheiß gebaut…. Da Jimmy, Berni, Ussi, Riedler Jo und Jo & Jo Eichenseer, da Schmidt Richard (da Schmidi alias Ritschi) er war oiwei, wenns brennt hat, do > was hat er mich nächtelang mit seim Anhänger kreuz und quer durch Deutschland gezogen – und alle Anderen … Danke für die schöne guade Zeit mit EUCH > gute Burschen und „ DUFTE“ LEIT !!!!

Denen die sehr nahe an mir waren … einige davon sind leider schon verstorben … die an mich glaubten … mehr als ich in bestimmten Situationen …. gei BELTZ PETER … ohne dich wäre ich vielleicht ab dem Nandlstätter Bergslalom ned weiter kuma … wahrscheinlich hod die da Doorncaat (schau i hob scho über 30 Johr koan mehr trunga und woas a nima wirn ma schreibt….:-) scho aufgfressn???? … warst oana da geilsten und schneistn Freind !!!! … servus wo imma du im Universum bist…

Ich könnte noch eine lange Liste weiterschreiben … aber es würde dabei nichts an dem ändern, EUCH ALLEN ZU DANKEN!!!

ABER DEM MEISTEN DANK VERSPÜRE ICH ZU MEINER EX SCHWIEGERMUTTER Olga - FÜR IHRE LANGJÄHRIGE VERTRAUENSVOLLE MITARBEIT in all unseren gastronomischen Betrieben …. ohne sie wäre das „Brummen“ an den vielen Wochenenden viel stressiger und sehr viel schwieriger zu organisieren gewesen!
Natürlich auch als Omi für Charly jun. > sie war für uns alle ein RIESEN GESCHENK!!!!
Ich kann mich an keine liebevolleren Menschen wie an meine „OLGA MAMA“ und an meinen UR OPI erinnern > die beiden haben DEN BESTEN PLATZ NEBEN MEINEN JUNGS UND BRUDER GERD IN MEINER SEELE !!!!

Meinem „Butzl“Helga - auch ein ganz besonders wertvoller Mensch und
1. Ehefrau - (nach dem Tod „meiner“ Christa die Adoptiv–Mama für Charly jun.!)
Wir VERLIEBTEN uns, als sie ein 17 jähriges Mädchen war. Mein damaliger Freund und Arbeitskollege Jo Eichenseer, nahm mich auf eine Party zu seinem Wohnsitz Garching mit und ich lernte Helga dort kennen. Da wir beide sehr gerne tanzten, kamen wir uns schnell näher. Meine BESTE TÄNZERIN mit der ich JE tanzte … würde es gerne heut noch tun. Im Klartext heißt dies … ich stand im Gang und schaute aus dem Fenster … von hinten kam unbemerkt Helga und umarmte mich ... ich drehte mich langsam um ... da gabs von ihr den 1. Kuss … Und das war der Startschuss in eine unglaublich bewegte und schöne Zeit.
Helga wurde in Kürze eine selbstständige junge Frau, die schnell lernte großen Herausforderungen gerecht zu werden!
Wir hatten turbulente Zeiten mit großen HÖHEN und natürlich auch TIEFEN – sie wich keinen „Millimeter“ von meiner Seite! Glaubte an mich als EINZIGE, als ich in den 80er Jahren beim 2. Alkoholentzug von starken schmerzhaften körperlichen Symptomen und heftigen Halluzinationen, fast „das Handtuch geschmissen“ hätte! und seit dieser anfänglichen „Trockenzeit“ mich auch mit viel Liebe und Geduld begleitete.

Das 1. Jahr nach meinem Entzug, musste ich Tag für Tag mit mir kämpfen. Ab dann wurde es immer leichter …bis HEUTE!!!!

FUNKTIONIEREN! Dies gelang mir in den Jahren davor nur mit einem gewissen Alk–Spiegel. Dadurch hielt ich diesem hohen Druck stand und agierte „voller Power“ und gedanklich mit „klarem Bewusstsein“!!!! > unglaublich <
In ¼ jährlichen Abständen brach ich nach höher werdendem Konsum regelmäßigen zu Hause 1 Woche zusammen. Kämpfte mich wieder hoch ….und weiter in die nächste Runde …u.s.w.

Es war für mich und meiner geliebten Familie eine sehr schlechte Zeit - in der, logischer Weise, unsere Liebe und alles was uns wichtig war zu zerbrechen drohte!!!
Bis ich, nach einem mehrtägigen Vollrausch – „, in einem lichten Moment“ erkannte - dies ist mein ENDE!!!!....….aber ICH WILL LEBEN!!!!
><><>< das will ich auch HEUTE noch!!!!!
Danke DIR besonders mein geliebtes „BUTZ´L"
Charly 8.2.2018